Workshop "Sicherheitsdidaktiken im 20. Jahrhundert"

Donnerstag - Freitag // 13. - 14. Juli 2017

Lehrstuhl für Deutsche und Europäische Geschichte des 19. bis 21. Jahrhundert an der Universität Leipzig
in Kooperation mit dem SFB/TRR 138, Teilprojekt C07 „Sicherheit als siebter Sinn“

 

Ort: Geisteswissenschaftliches Zentrum der Universität Leipzig (GWZ), Beethovenstraße 15, 04107 Leipzig, Raum 5216

Teilnahme: Anmeldung bitte bis zum 07.07.2017 per E-Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!en.de

 

↓ Programm  

↓ Konzept  

 

 

Programm

Donnerstag, 13.07.2017

// 13.00 Uhr

  • Dirk van Laak (Leipzig) / Kai Nowak (Gießen): Begrüßung und Einführung

// 13.30 Uhr

  • Sonja Levsen (Freiburg): „Untertanengeist“ und „Autoritarismus“. Gefahrendiagnosen und didaktische Antworten in der westdeutschen Demokratieerziehung nach 1945
  • Claudia Kemper (Hamburg): Gewalteinhegung und Affektkontrolle. Konflikte um Friedenserziehung in den 1970er und 1980er Jahren

// Kaffeepause

// 15.30 Uhr

  • Nina Kleinöder (Düsseldorf): Zwischen Propaganda und Programm. Medien des betrieblichen Arbeitsschutzes in der Stahlindustrie (1920er bis 1970er Jahre)
  • Franziska Rehlinghaus (Potsdam): „Den Erfolg sicher machen“. Zur Eliminierung von Kontingenz als Weiterbildungsziel

// Kaffeepause

// 17.30 Uhr

  • Kai Nowak (Gießen): Vom Vernunftappell zur Verkehrsgewöhnung. Sicherheitsdidaktischer Wandel in der schulischen Verkehrserziehung in Westdeutschland 1950-1980
  • Stefan Esselborn (München): Nukleare Sicherheitsdidaktiken. Der „Faktor Mensch“ in der kerntechnischen Sicherheitsdebatte in Deutschland in den 1970er und 1980er Jahren

// Gemeinsames Abendessen



Freitag, 14.07.2017

// 9.00 Uhr

  • Andrej Stephan (Halle): „Polizei muß heute wie ein Waschmittel verkauft werden“ vs. „Fahnden und forschen“. Ausbildungsaspekte und sicherheitspolitisches Präventionsdenken seit Ende der 1950er Jahre
  • Cornelia Grosse (Potsdam): Die Apokalypse erklären. Aufklärungskampagnen zum zivilen Bevölkerungsschutz in der frühen Bundesrepublik

// Kaffeepause

// 11.00 Uhr

  • Anita Winkler (Zürich): Die Qual der Wahl. Film und Sexualaufklärung zwischen Selbstbestimmung und Risikomanagement im Zeitalter der "Sexuellen Revolution"
  • Anja Laukötter (Berlin): Sicherheitsdidaktiken in „Zeiten der Angst“? Konzepte, Strategien und (filmische) Praktiken der frühen AIDS-Prävention in der Bundesrepublik und der DDR

// 12.30 Uhr

  • Abschlussdiskussion

 

 

 

Konzept

Sicherheit in unsicheren Umwelten herzustellen, war im 20. Jahrhundert ein wesentliches Ziel von Technik, Planung und Steuerung. Im Mittelpunkt dieser Bemühungen stand zumeist der Mensch; er war sowohl Objekt als auch Subjekt unzähliger Konzepte, Strategien und Maßnahmen, mit denen versucht wurde, den (Lebens-)Risiken der Moderne zu begegnen. Ob großangelegte Versuche im Geiste eines Social Engineering in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts oder die Verlagerung von Verantwortlichkeiten ins Subjekt, etwa durch Techniken der Selbstführung, in der zweiten Hälfte – stets ging es darum, den „menschlichen Faktor“ handhabbar zu machen und die schwer zu
kalkulierende Kontingenz menschlichen Verhaltens als Ursache von Unsicherheit zu reduzieren. Sicherheitsbezogene Praktiken hielten Einzug in den Alltag der Menschen ebenso wie Einrichtungen zur Vermittlung entsprechender Kenntnisse und Fertigkeiten. Das Einüben risikoaverser Verhaltensweisen wurde zu einer wichtigen Aufgabe im Rahmen von Sozialisation und Bildung.

Vor diesem Hintergrund fragt der Workshop in vergleichender Perspektive nach den historischen Wandlungen von Theorien des Lehrens und Lernens in sicherheitsbezogenen Unterrichtsfeldern und ihren spezifischen methodischen Umsetzungen. Sicherheitsdidaktiken, so ließe sich definieren, sollen die Lernenden zu erwünschten Verhaltensanpassungen im Sinne eines Zugewinns an Sicherheit bzw. der Vermeidung von Risiken motivieren. Zentraler Untersuchungsgegenstand sind Unterrichtskonzeptionen und -inhalte sowie der Aufbau und die Gestaltung von Lehrmaterialien. Jedoch beschränken sich Sicherheitsdidaktiken nicht auf schulische Kontexte, sondern sind in jeder Art von Lernumfeld (vorschulischer Bereich, Erwachsenenbildung, Selbststudium, öffentliche Kampagnen) und jeder Art von Medien (Präsenzunterricht, klassische Lehrbücher, Massenmedien, Plakate, Objekte) anzutreffen. Neben
theoretisch-methodischen Konzepten nimmt der Workshop unterschiedliche Modi der Appellation sowie der Evidenz- und Legitimitätsproduktion, Visualisierungsstrategien bis hin zu filmischen Umsetzungen in den Blick. Insbesondere sollen Repräsentationen von Bedrohungen und sicherheitsadäquatem Verhalten sowie Fehlverhalten untersucht werden. Erfordert das Lehren von Sicherheit eine spezifische Ansprache? Welchen Ansätzen liegen welche Menschenbilder und Ordnungsvorstellungen zugrunde? Welche Verhaltensnormen werden jeweils postuliert und auf welche Weise begründet? Wie bewegen sich Sicherheitsdidaktiken in den Spannungsfeldern von Regulierung und Selbstorganisation, von Disziplinierung und Selbstermächtigung? Welche Unterschiede motivieren zur Rede von „Erziehung“, „Aufklärung“ oder „Präventionsarbeit“? Nicht zuletzt geht es um eine kritische Überprüfung der heuristischen und analytischen Potenziale des Begriffs der „Sicherheitsdidaktik“.

Folgende Bereiche sollen auf ihre sicherheitsdidaktischen Konzepte und Praxen hin befragt werden: Arbeitsschutz bzw. betriebliche Unfallverhütung, Kriminalitätsprävention, Zivilschutz, Technische Sicherheit, Verkehrssicherheit, Sexual- und Gesundheitsaufklärung, Demokratieerziehung und Friedenserziehung. Der Workshop konfrontiert ausdrücklich Safety-bezogene Felder mit solchen, die in einem weiter gefassten Bezug zu Security stehen.

Der Workshop soll explorativ gehalten sein und vor allem der gemeinsamen Diskussion dienen. Die Vorträge sollen daher eine Dauer von 20 bis 25 Minuten nicht überschreiten und dürfen durchaus einen vorläufigen Arbeitsstand wiedergeben. So sind insbesondere Beiträge vertreten, die konzeptionelle Überlegungen eng am empirischen Material entwickeln undversuchsweise ausloten, welche speziell auf Sicherheit bezogenen didaktischen Ansätze im betreffenden Bereich zum Einsatz kamen.

 

 

Workshop "Sicherheitsdidaktiken im 20. Jahrhundert"

Donnerstag - Freitag // 13. - 14. Juli 2017

Lehrstuhl für Deutsche und Europäische Geschichte des 19. bis 21. Jahrhundert an der Universität Leipzig
in Kooperation mit dem SFB/TRR 138, Teilprojekt C07 „Sicherheit als siebter Sinn“

 

Ort: Geisteswissenschaftliches Zentrum der Universität Leipzig (GWZ), Beethovenstraße 15, 04107 Leipzig, Raum 5216

Teilnahme: Anmeldung bitte bis zum 07.07.2017 per E-Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!en.de

 

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Programm

Donnerstag, 13.07.2017

// 13.00 Uhr

  • Dirk van Laak (Leipzig) / Kai Nowak (Gießen): Begrüßung und Einführung

// 13.30 Uhr

  • Sonja Levsen (Freiburg): „Untertanengeist“ und „Autoritarismus“. Gefahrendiagnosen und didaktische Antworten in der westdeutschen Demokratieerziehung nach 1945
  • Claudia Kemper (Hamburg): Gewalteinhegung und Affektkontrolle. Konflikte um Friedenserziehung in den 1970er und 1980er Jahren

// Kaffeepause

// 15.30 Uhr

  • Nina Kleinöder (Düsseldorf): Zwischen Propaganda und Programm. Medien des betrieblichen Arbeitsschutzes in der Stahlindustrie (1920er bis 1970er Jahre)
  • Franziska Rehlinghaus (Potsdam): „Den Erfolg sicher machen“. Zur Eliminierung von Kontingenz als Weiterbildungsziel

// Kaffeepause

// 17.30 Uhr

  • Kai Nowak (Gießen): Vom Vernunftappell zur Verkehrsgewöhnung. Sicherheitsdidaktischer Wandel in der schulischen Verkehrserziehung in Westdeutschland 1950-1980
  • Stefan Esselborn (München): Nukleare Sicherheitsdidaktiken. Der „Faktor Mensch“ in der kerntechnischen Sicherheitsdebatte in Deutschland in den 1970er und 1980er Jahren

// Gemeinsames Abendessen



Freitag, 14.07.2017

// 9.00 Uhr

  • Andrej Stephan (Halle): „Polizei muß heute wie ein Waschmittel verkauft werden“ vs. „Fahnden und forschen“. Ausbildungsaspekte und sicherheitspolitisches Präventionsdenken seit Ende der 1950er Jahre
  • Cornelia Grosse (Potsdam): Die Apokalypse erklären. Aufklärungskampagnen zum zivilen Bevölkerungsschutz in der frühen Bundesrepublik

// Kaffeepause

// 11.00 Uhr

  • Anita Winkler (Zürich): Die Qual der Wahl. Film und Sexualaufklärung zwischen Selbstbestimmung und Risikomanagement im Zeitalter der "Sexuellen Revolution"
  • Anja Laukötter (Berlin): Sicherheitsdidaktiken in „Zeiten der Angst“? Konzepte, Strategien und (filmische) Praktiken der frühen AIDS-Prävention in der Bundesrepublik und der DDR

// 12.30 Uhr

  • Abschlussdiskussion

 

 

 

Konzept

Sicherheit in unsicheren Umwelten herzustellen, war im 20. Jahrhundert ein wesentliches Ziel von Technik, Planung und Steuerung. Im Mittelpunkt dieser Bemühungen stand zumeist der Mensch; er war sowohl Objekt als auch Subjekt unzähliger Konzepte, Strategien und Maßnahmen, mit denen versucht wurde, den (Lebens-)Risiken der Moderne zu begegnen. Ob großangelegte Versuche im Geiste eines Social Engineering in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts oder die Verlagerung von Verantwortlichkeiten ins Subjekt, etwa durch Techniken der Selbstführung, in der zweiten Hälfte – stets ging es darum, den „menschlichen Faktor“ handhabbar zu machen und die schwer zu
kalkulierende Kontingenz menschlichen Verhaltens als Ursache von Unsicherheit zu reduzieren. Sicherheitsbezogene Praktiken hielten Einzug in den Alltag der Menschen ebenso wie Einrichtungen zur Vermittlung entsprechender Kenntnisse und Fertigkeiten. Das Einüben risikoaverser Verhaltensweisen wurde zu einer wichtigen Aufgabe im Rahmen von Sozialisation und Bildung.

Vor diesem Hintergrund fragt der Workshop in vergleichender Perspektive nach den historischen Wandlungen von Theorien des Lehrens und Lernens in sicherheitsbezogenen Unterrichtsfeldern und ihren spezifischen methodischen Umsetzungen. Sicherheitsdidaktiken, so ließe sich definieren, sollen die Lernenden zu erwünschten Verhaltensanpassungen im Sinne eines Zugewinns an Sicherheit bzw. der Vermeidung von Risiken motivieren. Zentraler Untersuchungsgegenstand sind Unterrichtskonzeptionen und -inhalte sowie der Aufbau und die Gestaltung von Lehrmaterialien. Jedoch beschränken sich Sicherheitsdidaktiken nicht auf schulische Kontexte, sondern sind in jeder Art von Lernumfeld (vorschulischer Bereich, Erwachsenenbildung, Selbststudium, öffentliche Kampagnen) und jeder Art von Medien (Präsenzunterricht, klassische Lehrbücher, Massenmedien, Plakate, Objekte) anzutreffen. Neben
theoretisch-methodischen Konzepten nimmt der Workshop unterschiedliche Modi der Appellation sowie der Evidenz- und Legitimitätsproduktion, Visualisierungsstrategien bis hin zu filmischen Umsetzungen in den Blick. Insbesondere sollen Repräsentationen von Bedrohungen und sicherheitsadäquatem Verhalten sowie Fehlverhalten untersucht werden. Erfordert das Lehren von Sicherheit eine spezifische Ansprache? Welchen Ansätzen liegen welche Menschenbilder und Ordnungsvorstellungen zugrunde? Welche Verhaltensnormen werden jeweils postuliert und auf welche Weise begründet? Wie bewegen sich Sicherheitsdidaktiken in den Spannungsfeldern von Regulierung und Selbstorganisation, von Disziplinierung und Selbstermächtigung? Welche Unterschiede motivieren zur Rede von „Erziehung“, „Aufklärung“ oder „Präventionsarbeit“? Nicht zuletzt geht es um eine kritische Überprüfung der heuristischen und analytischen Potenziale des Begriffs der „Sicherheitsdidaktik“.

Folgende Bereiche sollen auf ihre sicherheitsdidaktischen Konzepte und Praxen hin befragt werden: Arbeitsschutz bzw. betriebliche Unfallverhütung, Kriminalitätsprävention, Zivilschutz, Technische Sicherheit, Verkehrssicherheit, Sexual- und Gesundheitsaufklärung, Demokratieerziehung und Friedenserziehung. Der Workshop konfrontiert ausdrücklich Safety-bezogene Felder mit solchen, die in einem weiter gefassten Bezug zu Security stehen.

Der Workshop soll explorativ gehalten sein und vor allem der gemeinsamen Diskussion dienen. Die Vorträge sollen daher eine Dauer von 20 bis 25 Minuten nicht überschreiten und dürfen durchaus einen vorläufigen Arbeitsstand wiedergeben. So sind insbesondere Beiträge vertreten, die konzeptionelle Überlegungen eng am empirischen Material entwickeln undversuchsweise ausloten, welche speziell auf Sicherheit bezogenen didaktischen Ansätze im betreffenden Bereich zum Einsatz kamen.