Konzeptgruppe 5: Raumbildung - Sicherheitsräume

Mit dem spatial turn hat das Raumparadigma einen (erneuten) wirkmächtigen Einzug in die Kultur- und Sozialwissenschaften erhalten (Döring/Thielmann 2008; Dünne/Günzel 2006, Günzel 2009) und sich in den letzten 15 Jahren auch in den Geschichtswissenschaften zu einer Leitperspektive der Diskussion entwickelt. So stand der Historikertag 2004 unter dem Motto „Kommunikation und Raum“ (Reitemeier/Fouquet 2005).

Angesichts des postulierten Raumbezugs von Versicherheitlichungsprozessen ist es daher geradezu zwingend, dass sich eine der Konzeptgruppen mit Räumen, verstanden als Produkten von Ver- und Entsicher-heitlichungen, befasst. Dabei richtet sie ihren Fokus zum einen auf Prozesse der Raumbildung, also der Schaffung neuer Räume der Sicherheit, aber auch der Unsicherheit, und dies nicht nur auf territorialer und topographischer Ebene (Löw 2001). Weil Sicherheit ein raumbezogener Differenzbegriff ist, lässt eine Be-schäftigung mit Prozessen der Raumbildung (Dichotomie von Sicherheit und Unsicherheit, Insider und Outsider) nicht zuletzt auch Merkmale der Begrenzung von Sicherheitsräumen/-feldern in den Blick treten.

Gemäß dem Diktum von Georg Simmel (Simmel 1908, 467), dass eine Grenze keine räumliche Tatsache mit soziologischen Wirkungen, sondern eine soziologische Tatsache, die sich räumlich formt, sei, werden Räume im beantragten SFB/TRR 138 nicht als objektiv bestehende und sich lediglich historisch verändernde Innen- und Außenbereiche von Sicherheit verstanden. Mittels einer Perspektivierung auf Prozesse der Ver- und Entsicherheitlichung sollen allerdings die Divergenzen zwischen der jüngst dominierenden sozial-wissenschaftlichen Sichtweise (Raum als Konstrukt) und einer vorgängigen historischen Sichtweise, die Raum als natürliche und geschaffene Gegebenheit untersucht, ernst genommen und ausponderiert werden (Dipper/Raphael 2011, zu Koselleck 1989c). Die Konzeptgruppe untersucht die Interdependenz zwischen der Nutzung und Markierung von Räumen und deren Wahrnehmung, die wiederum maßgeblich durch ent-sprechende Setzungen und mediale Repräsentationen konstituiert wird. Dies lenkt den Blick auf die für einen „Sicherheitsraum“ in einem bestimmten historischen Kontext konstitutiven Elemente (Akteure, Symboliken [Kultur] und Praktiken). Räume der Ver- und Entsicherheitlichung werden dabei, so eine Hypothese dieser Konzeptgruppe, auch durch Rechtsnormen und durch die Organisation von Gewalt (bzw. Gewaltabsenz) sowie durch entsprechende mediale Repräsentationen prozessual hergestellt, auf deren Grundlage Akteure ein entsprechendes Raum¬wissen entwickelten und auch zur Stabilisierung von Machtverhältnissen wechsel-seitig kommunizierten (vgl. Maresch/Werber 2002). Dabei schafft nicht zuletzt auch die Positionierung von Akteuren im Raum konkrete Orte und soziale Räume bzw. Netzwerkstrukturen, in denen alle Beteiligten – teils zu festgelegten Zeitpunkten – oft erst eine wechselseitige Rückversicherung über Versicherheitlichungsprozesse erreichen oder auf diese reagieren. Diese Faktoren und Teildynamiken zueinander in epochenübergreifender Weise und für vielfältige Konstellationen in Bezug zu setzen und daraus eine Typologie zu entwickeln, bildet insgesamt das Ziel dieser Konzeptgruppe.

 

 

 

 

Konzeptgruppe 5: Raumbildung - Sicherheitsräume

Mit dem spatial turn hat das Raumparadigma einen (erneuten) wirkmächtigen Einzug in die Kultur- und Sozialwissenschaften erhalten (Döring/Thielmann 2008; Dünne/Günzel 2006, Günzel 2009) und sich in den letzten 15 Jahren auch in den Geschichtswissenschaften zu einer Leitperspektive der Diskussion entwickelt. So stand der Historikertag 2004 unter dem Motto „Kommunikation und Raum“ (Reitemeier/Fouquet 2005).

Angesichts des postulierten Raumbezugs von Versicherheitlichungsprozessen ist es daher geradezu zwingend, dass sich eine der Konzeptgruppen mit Räumen, verstanden als Produkten von Ver- und Entsicher-heitlichungen, befasst. Dabei richtet sie ihren Fokus zum einen auf Prozesse der Raumbildung, also der Schaffung neuer Räume der Sicherheit, aber auch der Unsicherheit, und dies nicht nur auf territorialer und topographischer Ebene (Löw 2001). Weil Sicherheit ein raumbezogener Differenzbegriff ist, lässt eine Be-schäftigung mit Prozessen der Raumbildung (Dichotomie von Sicherheit und Unsicherheit, Insider und Outsider) nicht zuletzt auch Merkmale der Begrenzung von Sicherheitsräumen/-feldern in den Blick treten.

Gemäß dem Diktum von Georg Simmel (Simmel 1908, 467), dass eine Grenze keine räumliche Tatsache mit soziologischen Wirkungen, sondern eine soziologische Tatsache, die sich räumlich formt, sei, werden Räume im beantragten SFB/TRR 138 nicht als objektiv bestehende und sich lediglich historisch verändernde Innen- und Außenbereiche von Sicherheit verstanden. Mittels einer Perspektivierung auf Prozesse der Ver- und Entsicherheitlichung sollen allerdings die Divergenzen zwischen der jüngst dominierenden sozial-wissenschaftlichen Sichtweise (Raum als Konstrukt) und einer vorgängigen historischen Sichtweise, die Raum als natürliche und geschaffene Gegebenheit untersucht, ernst genommen und ausponderiert werden (Dipper/Raphael 2011, zu Koselleck 1989c). Die Konzeptgruppe untersucht die Interdependenz zwischen der Nutzung und Markierung von Räumen und deren Wahrnehmung, die wiederum maßgeblich durch ent-sprechende Setzungen und mediale Repräsentationen konstituiert wird. Dies lenkt den Blick auf die für einen „Sicherheitsraum“ in einem bestimmten historischen Kontext konstitutiven Elemente (Akteure, Symboliken [Kultur] und Praktiken). Räume der Ver- und Entsicherheitlichung werden dabei, so eine Hypothese dieser Konzeptgruppe, auch durch Rechtsnormen und durch die Organisation von Gewalt (bzw. Gewaltabsenz) sowie durch entsprechende mediale Repräsentationen prozessual hergestellt, auf deren Grundlage Akteure ein entsprechendes Raum¬wissen entwickelten und auch zur Stabilisierung von Machtverhältnissen wechsel-seitig kommunizierten (vgl. Maresch/Werber 2002). Dabei schafft nicht zuletzt auch die Positionierung von Akteuren im Raum konkrete Orte und soziale Räume bzw. Netzwerkstrukturen, in denen alle Beteiligten – teils zu festgelegten Zeitpunkten – oft erst eine wechselseitige Rückversicherung über Versicherheitlichungsprozesse erreichen oder auf diese reagieren. Diese Faktoren und Teildynamiken zueinander in epochenübergreifender Weise und für vielfältige Konstellationen in Bezug zu setzen und daraus eine Typologie zu entwickeln, bildet insgesamt das Ziel dieser Konzeptgruppe.