Call for Paper

Tagung "Haus — Geschlecht — Sicherheit. Diskursive Formierungen in der Frühen Neuzeit"

Teilprojekt: C03 — Das 'Haus' als Sicherheit

Donnerstag - Samstag // 26. - 28. März 2020

 

In der Forschung besteht Einigkeit darüber, dass dem Haus für die Organisation der frühneuzeitlichen Gesellschaft eine zentrale Bedeutung sowohl als Nucleus der gesellschaftlichen (und göttlichen) Weltordnung als auch in seiner Funktion als Rahmen der Geschlechterordnung zukam. Das Haus bildete seit dem 15. Jahrhundert den faktischen sowie symbolischen Kontext individueller Lebensführung in der Familie und war zugleich durch seine ökonomischen, erzieherischen, gemeindlichen und ästhetischen Funktionen ein wesentlicher Garant wie auch Prototyp sozialer Stabilität. Da diese Stabilität aber nicht per se gegeben war, sondern in der tagtäglichen Performanz immer wieder neu hergestellt werden musste, war das Haus zugleich ein Schauplatz potenziell destabilisierender Situationen. Das bedeutete hinsichtlich der dem Haus zugeschriebenen Sicherheitsleistungen eine hohe Ambivalenz. Diese lag zum einen in seiner Doppelfunktion als Subjekt (Sicherheit bietender Raum) und als Objekt (als zu sichernder Raum) begründet. Zum anderen bestand ein hohes Gefährdungspotenzial darin, dass die täglichen Routinen und Praktiken nicht erfolgreich waren und dann nicht nur keine Sicherheit boten, sondern vielmehr eine Gefahr für die soziale Stabilität darstellten. Die genaue Analyse dieser Zusammenhänge, ihrer diskursiven Ausgestaltung in der Verklammerung unterschiedlicher gesellschaftlicher Teilbereiche wie Ökonomie, Recht, Theologie, Politik, visueller Kultur und Kunst steht nach wie vor aus.

Die Tagung fragt aus der Perspektive der skizzierten Stabilitätsfunktion des Hauses nach den unterschiedlichen Ebenen und Ausgestaltungen dieser Sicherheitsleistungen bzw. Sicherheitsbedrohungen. Die Mehrdimensionalität des Hauses als Gebäude, soziale Gruppe und gesellschaftliches Ordnungsmodell spielt hierbei eine zentrale Rolle denn, dadurch sind Referenzrahmen für ganz unterschiedliche Konzepte, Reichweiten, Instrumente und Strategien zur Herstellung von Sicherheit und Stabilität bzw. Bedrohungs- und Gefährdungspotenziale gegeben.

Im Zentrum unseres Interesses stehen die zahlreichen schriftlichen und visuellen Diskurse, mittels derer über das Haus und seine ambivalenten Sicherheitsleistungen reflektiert wurde; Diskurse, die in der Frühen Neuzeit normierend wirkten, aber auch von sozialen Praktiken und Herausforderungen sowie gestalterischen Konventionen respektive Innovationen geformt und verändert wurden. Ausgehend von der Feststellung, dass jede Konstruktion von Sicherheit(en) immer auch ihr Gegenteil, nämlich Unsicherheit(en), in sich trägt, ja, auf sie angewiesen ist, lässt sich fragen nach: 

  • der Ausgestaltung der Geschlechterordnung im Kontext des Hauses als übergeordnete Form gesellschaftlicher Sicherheitsleistung bzw. als Ordnungsmodell;
  • konkreten geschlechtsbezogenen Verhaltensweisen, Rollenmodellen und Rollenerwartungen, durch die alltägliche Performanz sowohl hinsichtlich der ökonomischen wie erzieherischen und pflegerischen Tätigkeiten sichergestellt werden sollte;
  • der Formulierung topischer Situationen, die als besonders prekär wahrgenommen respektive postuliert wurden (Geschwätzigkeit/ Kommunikation, Gefallsucht/standesgemäße Kleidung, Gewalttätigkeit/ Hauszucht, Trinkgelage/Gastfreundschaft)
  • der Verknüpfung dieser Situationen mit spezifischen räumlichen Anordnungen zu liminalen Zonen (Fenster, Türen, Schwellen, Zäune, Feuerstellen, Bett, Küche, Stube, Hof etc.).

Im interdisziplinären Austausch soll der Fokus auf der Trias Haus – Geschlecht – Sicherheit liegen und neue Zugänge zur Thematik eröffnen. Eine zentrale Frage wird sein, wie sich der Begriff „Domestizierung“ hinsichtlich dieser Trias verorten und ggfs. neu analytisch einsetzen lässt. Unter „Domestizierung“ soll ein Prozess verstanden werden, der die unterschiedlichen
Ebenen gesellschaftlicher Ordnungsleistung über hausbezogene Normen, Formen, Topoi und Gestaltungsmaßnahmen miteinander verbindet und den jedes Individuum in seiner Sozialisation erfährt. Idealerweise gewährleistet „Domestizierung“ einen mehr oder minder beständigen Ordnungszustand, also eine kultivierte, mit genauen Rollen, Platzzuweisungen,
Funktionen und Routinen versehene Haus- und folglich auch Gesellschaftsordnung.

Von besonderem Interesse ist die Identifizierung dieser Formen und Topoi, Rollen und Routinen über Diskurs- und Mediengrenzen hinweg, um herauszuarbeiten, inwieweit und auf welche Weise die unterschiedlichen Modi des Reflektierens, Normierens und Transformierens aufeinander Bezug nehmen, sich ergänzen oder widersprechen, so dass von Dynamik der „Domestizierung“ – im Sinne von (Ver-)Sicherung gesprochen werden kann.

Der Workshop wird ausgerichtet von dem am SFB/TRR 138 „Dynamiken der Sicherheit. Formen der Versicherheitlichung in historischer Perspektive“ beteiligten interdisziplinären Teilprojekt C03 — Das Haus als Sicherheit und die (Un-)Sicherheit der Geschlechter (Leitung: Prof. Dr. Inken Schmidt-Voges, Geschichte der Frühen Neuzeit, Philipps-Universität Marburg / Prof. Dr. Sigrid Ruby, Institut für Kunstgeschichte, JLU Gießen). Beiträge aus allen historisch arbeitenden Disziplinen sind willkommen.

Wir erbitten Vorschläge (Vortragstitel und Abstract, max. 1 Seite) bis zum 31. Juli 2019 an John Egle, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!g.de.

 

 

Vortrag von Prof. Dr. Ulrich Schneckener

"Vom technokratischen zum „umkämpften“ Feld? Zur Politisierung europäischer Sicherheit."

Dienstag // 30. April 2019, //18.00 -20.00 Uhr

Ort: Universitätsbibliothek, Deutschhausstr. 9, 00/2080 (B 008), Marburg

 

Abstract

Die europäische Politik setzt verstärkt auf „Sicherheit“, die Rede ist von einer „Security Union“ und von einem „Europa, das beschützt“. Angesichts von Terroranschlägen und „Fluchtkrisen“ wurde Sicherheit  somit zu einem neuen legitimatorischen Leitmotiv für die EU. Dabei ist die EU-Sicherheitspolitik – so die These des Vortrag – zu einem Feld der politischen und öffentlichen Kontroversen geworden, Politikbereiche der inneren wie auch der äußeren Sicherheit werden „politisiert“, gemessen 
an drei Indikatoren (Aufmerksamkeit, Mobilisierung und Kontestation). Diese Entwicklung widerspricht den Securitisation- und Security Governance-Ansätzen, die eher von einer Entpolitisierung bzw. Technokratisierung europäischer Sicherheit ausgehen. Der Vortrag möchte anhand von Beispielen aus der EU-Terrorismusbekämpfung und -Grenzschutzpolitik zeigen, dass eine Politisierungsperpektive neue Einsichten in die Dynamiken europäischer Sicherheitspolitik eröffnet.

 

 

Divan historique in Paris zum Thema "Sicherheit"

 Auf Einladung des Deutschen Historischen Instituts (DHI) war kürzlich Professor Eckart Conze zu Gast in Paris, um dort sein Buch "Geschichte der Sicherheit. Entwicklung – Themen – Perspektiven" (Göttingen 2018) vorzustellen. Das Buch und seine Thematik waren Gegenstand auf dem "Divan historique" des Instituts, einem Veranstaltungsformat, bei dem mehrere Wissenschaftler*innen eine jüngere Veröffentlichung aus der deutschen Geschichtswissenschaft diskutieren, um diese Publikation auch jenseits der deutschen Grenzen bekannt zu machen.

Auf dem “Divan” im Hotel Duret-de-Chevry, dem Sitz des DHI, nahmen diesmal neben Professor Conze, Professorin Laurence Badel (Université Paris 1, Panthéon-Sorbonne), Professorin Corine Defrance (CNRS Paris) sowie Professor Ulrich Pfeil (Université de Lorraine, Metz). Die Einführung übernahm Professor Thomas Maissen, der Direktor des DHI.

Über das Buch "Geschichte der Sicherheit" diskutierten im DHI Paris (v.l.): Professor Thomas Maissen (Paris), Professorin Corine Defrance (Paris), Professor Ulrich Pfeil (Metz), Professorin Laurence Badel (Paris), Professor Eckart Conze (Marburg). (Foto: DHI Paris)

 Nach einem Impulsvortrag von Eckart Conze richtete sich die Diskussion vor allem auf die Unterschiede zwischen traditioneller, stark auf Staat und Außenpolitik gerichteter Sicherheitsforschung und jüngeren Forschungsansätzen, wie sie nicht zuletzt auch im Marburg-Gießener SFB vertreten werden. Diskutiert wurde der Nutzen sozialwissenschaftlicher Theorieansätze ebenso wie die Überschneidungen und Grenzen zwischen Historischer Sicherheitsforschung und Historischer Friedensforschung sowie, damit zusammenhängend, das Verhältnis von Sicherheit und Frieden. Kritisch widmeten sich die Diskutanten und das Publikum aber auch der Tatsache, dass der Boom der Sicherheitsforschung in verschiedenen Disziplinen sich auch der Konjunktur der Sicherheits- bzw. Unsicherheitsthematik in Politik und Gesellschaft verdankt. Vor diesem Hintergrund leistete der "Divan historique" auch einen Beitrag zur Selbstreflexion nicht nur der Historischen Sicherheitsforschung. 

 

 

 

“Peace, order and securitisation in post-imperial Central Asia”

Wrap-up from the workshop held at the Collaborative Research Centre/Transregio 138
"Dynamics of Security. Types of Securitisation from a Historical Perspective"

From Thursday, the 24th until Friday, the 25th of January 2019 the subproject B05 of the Collaborative Research Centre/Transregio 138 “Dynamics of Security” held an interdisciplinary workshop under the title “Peace, order and securitisation in post-imperial Central Asia”. Bringing together researchers from both this region and Western Europe, the event connected debates in security and securitisation studies, peace and conflict studies, and social scientific and historical research on order and change in the region, channelling them into a critical perspective on the imperial legacy of Central Asia and its present-day implications. The contributors’ presentations and in-depth discussions provided valuable insights into different trajectories and forms of securitisation as they occurred in the Soviet Central Asian republics and in their successor states, and specifically in their evolving relations with Moscow, as well as their materialisations in forms of hierarchising, exclusion and biopolitics along ethnic, religious and gender lines. Thus, the event offered important input for the research of the Collaborative Research Centre/Transregio 138, and specifically on the ways in which externally introduced frames and repertoires of securitisation make their way into national discursive regimes and can re-produce imperial logics of governing, controlling and ‘othering’.

» more [download full wrap-up]

 

 

Veranstaltungshinweis

Vortrag von Franziska Walter (Institut für Zeitgeschichte, München):

"Staatliche Sicherheitskulturen in Bayern 1945-1970. Personal, Praktiken und Prägungen im Bayerischen Innenministerium, Landeskriminalamt und Landesamt für Verfassungsschutz."

Mittwoch // 28. November 2018 // 18.00 Uhr c.t.

Ort: Raum 09c06, Marburg

 

Der  Vortrag findet im Rahmen des Oberseminars des Lehrstuhls für Neuste Geschichte (Prof. Dr. Eckart Conze) statt.

Alle Mitgleider des SFB/TRR 138 sind herzlich eingeladen.

 

 

 

 

 

Unterkategorien

Call for Paper

Tagung "Haus — Geschlecht — Sicherheit. Diskursive Formierungen in der Frühen Neuzeit"

Teilprojekt: C03 — Das 'Haus' als Sicherheit

Donnerstag - Samstag // 26. - 28. März 2020

 

In der Forschung besteht Einigkeit darüber, dass dem Haus für die Organisation der frühneuzeitlichen Gesellschaft eine zentrale Bedeutung sowohl als Nucleus der gesellschaftlichen (und göttlichen) Weltordnung als auch in seiner Funktion als Rahmen der Geschlechterordnung zukam. Das Haus bildete seit dem 15. Jahrhundert den faktischen sowie symbolischen Kontext individueller Lebensführung in der Familie und war zugleich durch seine ökonomischen, erzieherischen, gemeindlichen und ästhetischen Funktionen ein wesentlicher Garant wie auch Prototyp sozialer Stabilität. Da diese Stabilität aber nicht per se gegeben war, sondern in der tagtäglichen Performanz immer wieder neu hergestellt werden musste, war das Haus zugleich ein Schauplatz potenziell destabilisierender Situationen. Das bedeutete hinsichtlich der dem Haus zugeschriebenen Sicherheitsleistungen eine hohe Ambivalenz. Diese lag zum einen in seiner Doppelfunktion als Subjekt (Sicherheit bietender Raum) und als Objekt (als zu sichernder Raum) begründet. Zum anderen bestand ein hohes Gefährdungspotenzial darin, dass die täglichen Routinen und Praktiken nicht erfolgreich waren und dann nicht nur keine Sicherheit boten, sondern vielmehr eine Gefahr für die soziale Stabilität darstellten. Die genaue Analyse dieser Zusammenhänge, ihrer diskursiven Ausgestaltung in der Verklammerung unterschiedlicher gesellschaftlicher Teilbereiche wie Ökonomie, Recht, Theologie, Politik, visueller Kultur und Kunst steht nach wie vor aus.

Die Tagung fragt aus der Perspektive der skizzierten Stabilitätsfunktion des Hauses nach den unterschiedlichen Ebenen und Ausgestaltungen dieser Sicherheitsleistungen bzw. Sicherheitsbedrohungen. Die Mehrdimensionalität des Hauses als Gebäude, soziale Gruppe und gesellschaftliches Ordnungsmodell spielt hierbei eine zentrale Rolle denn, dadurch sind Referenzrahmen für ganz unterschiedliche Konzepte, Reichweiten, Instrumente und Strategien zur Herstellung von Sicherheit und Stabilität bzw. Bedrohungs- und Gefährdungspotenziale gegeben.

Im Zentrum unseres Interesses stehen die zahlreichen schriftlichen und visuellen Diskurse, mittels derer über das Haus und seine ambivalenten Sicherheitsleistungen reflektiert wurde; Diskurse, die in der Frühen Neuzeit normierend wirkten, aber auch von sozialen Praktiken und Herausforderungen sowie gestalterischen Konventionen respektive Innovationen geformt und verändert wurden. Ausgehend von der Feststellung, dass jede Konstruktion von Sicherheit(en) immer auch ihr Gegenteil, nämlich Unsicherheit(en), in sich trägt, ja, auf sie angewiesen ist, lässt sich fragen nach: 

  • der Ausgestaltung der Geschlechterordnung im Kontext des Hauses als übergeordnete Form gesellschaftlicher Sicherheitsleistung bzw. als Ordnungsmodell;
  • konkreten geschlechtsbezogenen Verhaltensweisen, Rollenmodellen und Rollenerwartungen, durch die alltägliche Performanz sowohl hinsichtlich der ökonomischen wie erzieherischen und pflegerischen Tätigkeiten sichergestellt werden sollte;
  • der Formulierung topischer Situationen, die als besonders prekär wahrgenommen respektive postuliert wurden (Geschwätzigkeit/ Kommunikation, Gefallsucht/standesgemäße Kleidung, Gewalttätigkeit/ Hauszucht, Trinkgelage/Gastfreundschaft)
  • der Verknüpfung dieser Situationen mit spezifischen räumlichen Anordnungen zu liminalen Zonen (Fenster, Türen, Schwellen, Zäune, Feuerstellen, Bett, Küche, Stube, Hof etc.).

Im interdisziplinären Austausch soll der Fokus auf der Trias Haus – Geschlecht – Sicherheit liegen und neue Zugänge zur Thematik eröffnen. Eine zentrale Frage wird sein, wie sich der Begriff „Domestizierung“ hinsichtlich dieser Trias verorten und ggfs. neu analytisch einsetzen lässt. Unter „Domestizierung“ soll ein Prozess verstanden werden, der die unterschiedlichen
Ebenen gesellschaftlicher Ordnungsleistung über hausbezogene Normen, Formen, Topoi und Gestaltungsmaßnahmen miteinander verbindet und den jedes Individuum in seiner Sozialisation erfährt. Idealerweise gewährleistet „Domestizierung“ einen mehr oder minder beständigen Ordnungszustand, also eine kultivierte, mit genauen Rollen, Platzzuweisungen,
Funktionen und Routinen versehene Haus- und folglich auch Gesellschaftsordnung.

Von besonderem Interesse ist die Identifizierung dieser Formen und Topoi, Rollen und Routinen über Diskurs- und Mediengrenzen hinweg, um herauszuarbeiten, inwieweit und auf welche Weise die unterschiedlichen Modi des Reflektierens, Normierens und Transformierens aufeinander Bezug nehmen, sich ergänzen oder widersprechen, so dass von Dynamik der „Domestizierung“ – im Sinne von (Ver-)Sicherung gesprochen werden kann.

Der Workshop wird ausgerichtet von dem am SFB/TRR 138 „Dynamiken der Sicherheit. Formen der Versicherheitlichung in historischer Perspektive“ beteiligten interdisziplinären Teilprojekt C03 — Das Haus als Sicherheit und die (Un-)Sicherheit der Geschlechter (Leitung: Prof. Dr. Inken Schmidt-Voges, Geschichte der Frühen Neuzeit, Philipps-Universität Marburg / Prof. Dr. Sigrid Ruby, Institut für Kunstgeschichte, JLU Gießen). Beiträge aus allen historisch arbeitenden Disziplinen sind willkommen.

Wir erbitten Vorschläge (Vortragstitel und Abstract, max. 1 Seite) bis zum 31. Juli 2019 an John Egle, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!g.de.

 

 

Vortrag von Prof. Dr. Ulrich Schneckener

"Vom technokratischen zum „umkämpften“ Feld? Zur Politisierung europäischer Sicherheit."

Dienstag // 30. April 2019, //18.00 -20.00 Uhr

Ort: Universitätsbibliothek, Deutschhausstr. 9, 00/2080 (B 008), Marburg

 

Abstract

Die europäische Politik setzt verstärkt auf „Sicherheit“, die Rede ist von einer „Security Union“ und von einem „Europa, das beschützt“. Angesichts von Terroranschlägen und „Fluchtkrisen“ wurde Sicherheit  somit zu einem neuen legitimatorischen Leitmotiv für die EU. Dabei ist die EU-Sicherheitspolitik – so die These des Vortrag – zu einem Feld der politischen und öffentlichen Kontroversen geworden, Politikbereiche der inneren wie auch der äußeren Sicherheit werden „politisiert“, gemessen 
an drei Indikatoren (Aufmerksamkeit, Mobilisierung und Kontestation). Diese Entwicklung widerspricht den Securitisation- und Security Governance-Ansätzen, die eher von einer Entpolitisierung bzw. Technokratisierung europäischer Sicherheit ausgehen. Der Vortrag möchte anhand von Beispielen aus der EU-Terrorismusbekämpfung und -Grenzschutzpolitik zeigen, dass eine Politisierungsperpektive neue Einsichten in die Dynamiken europäischer Sicherheitspolitik eröffnet.

 

 

Divan historique in Paris zum Thema "Sicherheit"

 Auf Einladung des Deutschen Historischen Instituts (DHI) war kürzlich Professor Eckart Conze zu Gast in Paris, um dort sein Buch "Geschichte der Sicherheit. Entwicklung – Themen – Perspektiven" (Göttingen 2018) vorzustellen. Das Buch und seine Thematik waren Gegenstand auf dem "Divan historique" des Instituts, einem Veranstaltungsformat, bei dem mehrere Wissenschaftler*innen eine jüngere Veröffentlichung aus der deutschen Geschichtswissenschaft diskutieren, um diese Publikation auch jenseits der deutschen Grenzen bekannt zu machen.

Auf dem “Divan” im Hotel Duret-de-Chevry, dem Sitz des DHI, nahmen diesmal neben Professor Conze, Professorin Laurence Badel (Université Paris 1, Panthéon-Sorbonne), Professorin Corine Defrance (CNRS Paris) sowie Professor Ulrich Pfeil (Université de Lorraine, Metz). Die Einführung übernahm Professor Thomas Maissen, der Direktor des DHI.

Über das Buch "Geschichte der Sicherheit" diskutierten im DHI Paris (v.l.): Professor Thomas Maissen (Paris), Professorin Corine Defrance (Paris), Professor Ulrich Pfeil (Metz), Professorin Laurence Badel (Paris), Professor Eckart Conze (Marburg). (Foto: DHI Paris)

 Nach einem Impulsvortrag von Eckart Conze richtete sich die Diskussion vor allem auf die Unterschiede zwischen traditioneller, stark auf Staat und Außenpolitik gerichteter Sicherheitsforschung und jüngeren Forschungsansätzen, wie sie nicht zuletzt auch im Marburg-Gießener SFB vertreten werden. Diskutiert wurde der Nutzen sozialwissenschaftlicher Theorieansätze ebenso wie die Überschneidungen und Grenzen zwischen Historischer Sicherheitsforschung und Historischer Friedensforschung sowie, damit zusammenhängend, das Verhältnis von Sicherheit und Frieden. Kritisch widmeten sich die Diskutanten und das Publikum aber auch der Tatsache, dass der Boom der Sicherheitsforschung in verschiedenen Disziplinen sich auch der Konjunktur der Sicherheits- bzw. Unsicherheitsthematik in Politik und Gesellschaft verdankt. Vor diesem Hintergrund leistete der "Divan historique" auch einen Beitrag zur Selbstreflexion nicht nur der Historischen Sicherheitsforschung. 

 

 

 

“Peace, order and securitisation in post-imperial Central Asia”

Wrap-up from the workshop held at the Collaborative Research Centre/Transregio 138
"Dynamics of Security. Types of Securitisation from a Historical Perspective"

From Thursday, the 24th until Friday, the 25th of January 2019 the subproject B05 of the Collaborative Research Centre/Transregio 138 “Dynamics of Security” held an interdisciplinary workshop under the title “Peace, order and securitisation in post-imperial Central Asia”. Bringing together researchers from both this region and Western Europe, the event connected debates in security and securitisation studies, peace and conflict studies, and social scientific and historical research on order and change in the region, channelling them into a critical perspective on the imperial legacy of Central Asia and its present-day implications. The contributors’ presentations and in-depth discussions provided valuable insights into different trajectories and forms of securitisation as they occurred in the Soviet Central Asian republics and in their successor states, and specifically in their evolving relations with Moscow, as well as their materialisations in forms of hierarchising, exclusion and biopolitics along ethnic, religious and gender lines. Thus, the event offered important input for the research of the Collaborative Research Centre/Transregio 138, and specifically on the ways in which externally introduced frames and repertoires of securitisation make their way into national discursive regimes and can re-produce imperial logics of governing, controlling and ‘othering’.

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Veranstaltungshinweis

Vortrag von Franziska Walter (Institut für Zeitgeschichte, München):

"Staatliche Sicherheitskulturen in Bayern 1945-1970. Personal, Praktiken und Prägungen im Bayerischen Innenministerium, Landeskriminalamt und Landesamt für Verfassungsschutz."

Mittwoch // 28. November 2018 // 18.00 Uhr c.t.

Ort: Raum 09c06, Marburg

 

Der  Vortrag findet im Rahmen des Oberseminars des Lehrstuhls für Neuste Geschichte (Prof. Dr. Eckart Conze) statt.

Alle Mitgleider des SFB/TRR 138 sind herzlich eingeladen.

 

 

 

 

 

Unterkategorien

  • Versicherheitlichung durch Geiselstellungen in der Frühen Neuzeit
    Versicherheitlichung durch Geiselstellungen in der Frühen Neuzeit

    Teilprojekt A01

  • Kreuzfahrerherrschaften
    Kreuzfahrerherrschaften

    Teilprojekt A02

  • Dynastische Eheverträge und Versicherheitlichung
    Dynastische Eheverträge und Versicherheitlichung

    Teilprojekt A03

  • Heuristiken und Repertoires kollektiver Sicherheit im völkerrechtlichen Vergleich
    Heuristiken und Repertoires kollektiver Sicherheit im völkerrechtlichen Vergleich

    Teilprojekt A04

  • Sicherheit vor Genozid
    Sicherheit vor Genozid

    Teilprojekt A05

  • Minderheiten und Mehrheiten in Ostmitteleuropa
    Minderheiten und Mehrheiten in Ostmitteleuropa

    Teilprojekt A06

  • Herausbildung der Roma-Minderheit
    Herausbildung der Roma-Minderheit

    Teilprojekt A07

  • Die Verwaltung transnationaler Gesundheitskrisen
    Die Verwaltung transnationaler Gesundheitskrisen

    Teilprojekt A08

  • Landfrieden
    Landfrieden

    Teilprojekt B01

  • Architektonische und bildmedial verfasste Sicherheitskonzeptionen
    Architektonische und bildmedial verfasste Sicherheitskonzeptionen

    Teilprojekt B02

  • Konfessionelle Minderheiten
    Konfessionelle Minderheiten

    Teilprojekt B03

  • Sicherheit des Staates
    Sicherheit des Staates

    Teilprojekt B04

  • Treuhändische Übergangsverwaltungen
    Treuhändische Übergangsverwaltungen

    Teilprojekt B05

  • Sicherheitsexport
    Sicherheitsexport

    Teilprojekt B06

  • „Vindicta“ als Sicherheitsproblem
    „Vindicta“ als Sicherheitsproblem

    Teilprojekt B07

  • "Erweiterte Sicherheit". Die Veränderung von Staatlichkeit nach dem Ende des Booms

    Teilprojekt C01

  • Sicherheit und städtischer Raum
    Sicherheit und städtischer Raum

    Teilprojekt C02

  • Das 'Haus' als Sicherheit und die (Un-)Sicherheit der Geschlechter
    Das 'Haus' als Sicherheit und die (Un-)Sicherheit der Geschlechter

    Teilprojekt C03

  • Politische Sicherheit und ökonomisierte Infrastrukturen
    Politische Sicherheit und ökonomisierte Infrastrukturen

    Teilprojekt C05

  • Außenwirtschaftliche Versicherheitlichung zwischen Globalisierung und Protektionisums
    Außenwirtschaftliche Versicherheitlichung zwischen Globalisierung und Protektionisums

    Teilprojekt C06

  • Sicherheit als Siebter Sinn
    Sicherheit als Siebter Sinn

    Teilprojekt C07

  • Sicherheit und Empire
    Sicherheit und Empire

    Teilprojekt C08

  • Angst vor Verbrechen? Mediale Dramatisierungen und Reaktionen des Publikums
    Angst vor Verbrechen? Mediale Dramatisierungen und Reaktionen des Publikums

    Teilprojekt C09

  • Zwischen Minderheitenschutz und Versicherheitlichung
    Zwischen Minderheitenschutz und Versicherheitlichung

    Teilprojekt C10